Rechenschwäche in der Grundschule -
Phantasieergebnisse

Rechenschwäche Phantasieergebnisse eines Schülers aus der vierten Klasse Ein Grundschüler aus der vierten Klasse löst 93 – 5 mit:

Der Junge hat folgenden Lösungsweg durchgeführt. Er zählt und begeht dabei als erstes einen häufig vorkommenden Fehler, den so genannten „Verzähler um Eins”.

Rechenschwäche in der Grundschule - Fehler: „Verzähler ums eins” Das bedeutet, er beginnt nicht bei 92, sondern bei der Zahl 93 und klappt dann jeweils einen Finger auf, um seine Zählschritte zu kontrollieren. Bei 90 angekommen stockt der Junge. Welche Zahl kommt vor der 90?

Rechenschwache Kinder kennen Zahlen oftmals nur als eine Abfolge leerer Worthülsen. Sie vollführen einen Zählvorgang, über den mit Hilfe der Finger Buch geführt wird. Die Technik ist dabei so dominant, dass in diesem Fall ein Wechsel in der Zählrichtung erfolgt. Der fünfte Finger bekommt das Zahlwort 91 zugeordnet.

Üben ist sinnlos, wenn das Grundverständnis fehlt

Der Versuch rechenschwachen Schülern den aktuellen Lernstoff durch schulische Wiederholung, außerschulische Nachhilfe oder häusliches Einüben zu vermitteln, muss in der Regel scheitern, da bei einer Rechenschwäche / Dyskalkulie die Probleme im Bereich des Verstehens, Erlernens und Anwendens elementarer mathematischer Grundkenntnisse liegen. Weiteres Üben ist nicht nur pädagogisch sinnlos (die Schwierigkeiten des Kindes bleiben bestehen) und eine Qual für Kind und Eltern, es trägt zudem häufig zu einer sekundären Neurotisierung bei.

Lernabneigung und Matheangst

Muss ein Kind Unverstandenes trainieren, reagiert es auf die eigenen vergeblichen Bemühungen mit Lernabneigung und Matheangst. Diese Abwehrmechanismen können sich zu einer fächerübergreifenden Lernunlust, zu einer allgemeinen Schulangst und zu massiven Verhaltensreaktionen ausweiten. Illustration - Mathe üben wird zur Qual für Kind und Eltern Mutter von Franziska (1. Halbjahr 3. Kl.)Illustration - Anamnese eines Schülers in der zweiten Klasse Anamnese von Matthias (1. Halbjahr 2. Kl.)

„Nicht rechnen können” ist kein „Schicksal”

Werden die richtigen Maßnahmen ergriffen, können auch zunächst rechenschwache Kinder die Grundschulmathematik verstehen und beherrschen lernen und eine ihren sonstigen Neigungen und Fähigkeiten entsprechende Schul- und Berufswahl treffen. Die Chancen hierfür sind um ein Vielfaches größer, wenn die Schwierigkeiten frühzeitig erkannt und umgehend Gegenmaßnahmen ergriffen werden.